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Ausstellungseröffnung | Stefan Dillmuth

Freitag, 21. April von 18:00 bis 20:00

Schall und Rauch – eine Revue in Bildern

Stephan Dillemuth zeigt in der Ausstellung „Schall und Rauch – eine Revue in Bildern“ neu konzipierte und ortsspezifische Werke und als Gegenspieler dazu auch ältere Arbeiten aus den 1980er Jahren. Sein komplexes Oeuvre umfasst dabei Malerei, Skulpturen, Videoarbeiten und Installationen, die erstmalig in diesem Umfang institutionell präsentiert werden. Bereits im Außenraum des Künstlerhauses werden die Besucher begrüßt. Von der Eibe am Haupteingang zwitschern Dillemuths „Vogellieder an der Jahrhundertwende“ (1998). Als eine Art Hommage sind diese Vogellieder aus ca. 80 Sprachsamples verschiedener, damals aktueller Künstlernamen komponiert.

Die Besucher betreten die Ausstellung wie durch eine Zeitschleuse – zwei große Leinwände zeigen mit ihren Unendlichkeitszeigern auf halb vier. Im Hauptraum des Ausstellungshauses wird dieser Eindruck durch die Spiegelung der Glasdecke in den Boden verstärkt. Wie der Blick aus einer begehbaren Vitrine heraus kann die Revue aus unterschiedlichen Blickwinkeln erfahren werden. Von der Decke herab hängen farbig gefasste Körperteile, die nur von einem bestimmten Blickpunkt betrachtet das Bild eines ganzen menschlichen Körpers ergeben. Das Prinzip der Fragmentierung wird auch in anderen Arbeiten sichtbar: Aus Gipsabgüssen collagiert benutzt Dillemuth seinen Körper weniger als Mittel zur Selbstdarstellung, sondern als Chiffre und Rohmaterial zur Gestaltung von neuen Objekten. Menschliche Körperteile werden teilweise mit tierischen Elementen wie Eberköpfen, Rinderohren und Rehfüssen ergänzt und durch Zahnräder verbunden. Auf diese Weise entstehen Zwischen- oder Zwitterwesen, die auch als Psychofigurationen gelesen werden können. Diese neueren Arbeiten, die wie eine Beschreibung der Conditio humana in der Finanzkrise anmuten, werden von Dillemuths frühen Arbeiten kommentiert.

Die ersten „Bayernbilder“ entstanden 1979, noch an der Akademie in Düssel-
dorf. Als Bildvorlage dienten rührselige Postkartenmotive aus bayrischen Kurorten. Die Malerei ist dem Thema angemessen, weder expressiv noch wild, sondern eher absichtslos und belanglos. Dennoch, durch die Aufwertung der Postkarte im Format der Malerei, bleibt Dillemuths Werk kunstimmanent kritisch – geht es doch auch um die politische Haltung innerhalb der Traditionsgebundenheit des Mediums Malerei als solches.

In der mehr als 50-teiligen „Schönheitsgalerie“ (1985) beschäftigt sich Dillemuth mit Fragen der Repräsentation. Als Sammler von Portraits schöner Frauen insistierte Bayerns König Ludwig I auf die Tatsache, dass Schönheit unabhängig von Stand und Klasse sei. So hängen die Portraits adeliger und bürgerlicher Schönheiten egalitär nebeneinander. Dillemuths Galerie wendet sich gegen die Idee äußerer Schönheit und ihrer Repräsentierbarkeit durch Kunst. Bilder – wie Gesichter – entwickeln durch die Malerei ein Eigenleben, das eine neue „Schönheit“ sichtbar machen könnte, wenn es denn darum ginge, dass Kunst und Schönheit Äquivalente wären.

Von den Beauties zum Exzess, vom Schloss Nymphenburg in die Disko – in der Apsis des Künstlerhauses sehen wir erstmalig gezeigte Arbeiten, die Ende der 1980er in Chicago entstanden sind. Die an Disko-Dekorationen erinnernden Wandobjekte schillern im Projektorlicht des „Portfolio Robot“ – eines tanzen-
den Sockels. Das Video „Happy Hours“ (1988) zeigt einen Ausstellungsbeitrag, sieben geloopte Super-8-Projektionen drehen sich im Sound von Acid House. Ist Disko ein „Theater der Grausamkeit“ – ein Ort der Intensität und Ekstase, der alle Bilder, ob schön oder hässlich, gemein oder verführerisch, transzendiert.

In der Präsentation der neuen Werke und nun erstmals in Verbindung mit den Arbeiten aus den 1980er Jahren schafft Dillemuth eine Neuinszenierung seines Oeuvres, in der er wie ein Bühnenbildner hantiert und jeweils ortsspezifisch neue Szenerien aufstellt, die eine gewisse Theatralik und Sogwirkung aufwei-
sen können. Immer wieder stellen sich dabei auch Fragen nach der gesell-
schaftlichen Rolle des Künstlers und den von ihm praktizierten künstlerischen Mitteln. Kunst hat für Dillemuth das Potenzial gesellschaftliche Veränderungen nicht nur zu reflektieren, sondern sie auch voranzutreiben. Mit Recherche, Reflexion, Analyse und Experiment können Grenzen, Konventionen und Tabus ausgelotet und gegebenenfalls auch überschritten werden. So ist es durchaus wünschenswert, wenn der Besuch der Ausstellung an ein Experiment erinnert, das Fragen und Ideen aufwirft.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Texten von Helmut Draxler, Kerstin Stakemeier und Stephan Dillemuth. Zudem betreibt Dillemuth eine umfangreiche Webseite: http://societyofcontrol.com.

Stephan Dillemuth (*1954 Büdingen, lebt in München) studierte an den Kunstakademien in Nürnberg, Düsseldorf und München. Zurzeit unterrichtet er an der Akademie der Bildenden Künste in München.

1990-1994 betreibt Dillemuth zusammen mit Josef Strau, Nils Norman, Merlin Carpenter und Kiron Khosla den Raum Friesenwall 120 in Köln, danach UTV (Unser Fernsehsender mit Hans Christian Dany). 1995 folgen die Sommer-
akademie im Kunstverein München und die Publikationen „AKADEMIE“ und „The Academy And The Corporate Public“. Aus der Zusammenarbeit mit Werner von Delmont resultieren ab 1997 verschiedene Auftritte und die Publikation „Corporate Rokoko“. Seit 2000 Einzelprojekte u.a. bei Galerie Nagel Draxler (Köln/Berlin), American Fine Art (New York), Galerie für Landschafts-
kunst (Hamburg), Reena Spaulings (New York), Galerie Éric Hussenot (Paris), Secession (Wien), Konsthall C (Stockholm), Transmission Gallery (Glasgow), Uma Certa Falta de Coerencia (Porto).

Foto (c): Aurelien Mole

Details

Datum:
Freitag, 21. April
Zeit:
18:00 bis 20:00
Veranstaltungskategorien:
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Veranstaltungsort

Künstlerhaus, KM– Halle für Kunst & Medien
Künstlerhaus KM–, Halle für Kunst & Medien, Burgring 2, 8010 Graz Steiermark Österreich + Google Karte

Für KulturpassbesitzerInnen ist der Eintritt unentgeltlich. In jenen Kultureinrichtungen, die über begrenzte Sitzplätze verfügen, sind in der Regel Kontingente für KulturpassbesitzerInnen vorgesehen. Der/die KulturpassbesitzerIn kann bzw. muss reservieren.