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Eröffnungsperformance: Asynchrone Erinnerungen

Asynchrone Erinnerungen
Nachrichten von der Grenze,
SEPPO GRÜNDLER

„Asynchrone Erinnerungen“ geht anhand unterschiedlicher Erzählungen über die selben Ereignisse innerhalb einer Familie der Frage nach der anhaltenden Unsicherheit über den Begriff einer (geschichtlichen) Wahrheit nach. Sie beschäftigt sich mit der Gleichzeitigkeit von Ereignissen und der Differenz zwischen Erlebnissen und Erfahrungen, die am gleichen Ort zur gleichen Zeit auftreten können, und der Unterschiedlichkeit sprachlicher (in diesem Fall: slowenischer und deutscher) Manifestationen darüber. In der Live-Performance zur Eröffnung der Ausstellung improvisieren Rupert Lehofer und Seppo Gründler zum spontan ausgewählten Bildmaterial der Installation.

Seppo Gründler/Rupert Lehofer – Die Umherschweifenden Produzenten

“Als Kind wurden mir oft von meinen Verwandten sehr unterschiedliche Geschichten über die selben Ereignisse erzählt. Meine Familie mütterlicherseits stammt aus Slowenien und Südkärnten. So gab es PartisanInnen als auch Nazis in der gleichen Familie, manchmal in sehr engem Verwandtschaftsverhältnis. Die Familie meines Vaters hatte einen sehr rationalen und monolithischen Hintergrund als KommunistInnen, SozialistInnen und AtheistInnen; alle anderen Familienmitglieder waren unpolitisch oder konservativ. Diese Unterschiede standen dem gemeinsamen Kartenspielen oder dem Feiern von Hochzeiten und Begräbnissen aber nie im Weg.
Die Verschiedenheit der Geschichten über das gleiche Ereignis – von meiner Nazi-Tante, meine Partisanenonkel, meinem kommunistischen Großvater und seinen Verwandten – hat mich immer verwundert. Sie führte zu einer anhaltenden Unsicherheit über den Begriff “Wahrheit”; und zum Gefühl keine Heimat zu haben außer der Parteilichkeit.“ Seppo Gründler

 

Im Rahmen eines Artist in Residence Aufenthaltes von Aksioma in Ljubljana 2013 führte ich eine Reihe von Interviews mit Verwandten, FreundInnen und KollegInnen aus Slowenien, Kärnten und der slowenisch-österreichischen Grenze, sammelte Foto-, Text- und Videomaterial. Zusätzlich wurde für die Ausstellung im esc mkl neues Material, Interviews, Bilder und Texte gesammelt. Inhaltlich reicht der Zeitraum vom ersten Weltkrieg bis in die Gegenwart.
Die ursprüngliche Idee, Biografien zu erzählen und zu erfinden, ließ ich allerdings bald fallen, dieses endet viel zu leicht im “Familienhistorie erzählen”. Die Konsequenz war, sich mit der Gleichzeitigkeit der Ereignissen zu beschäftigen, und mit der Differenz an Erlebnissen und Erfahrungen, die gleichen Ort zur gleichen Zeit auftreten können. Besonders interessierten mich ob sich Unterschiede in den verschiedenen Sprachwelten ergaben – deutsch, slowenisch, zweisprachig und wie Erinnerung auf Basis der jeweils spezifischen Hintergründe konstruiert wird.

 

Für die Installation wurde das gesamte Bild- und Tonmaterial indiziert und nach Kategorien wie Jugend, Krieg, Feiern etc..verschlagwortet. Diese Datenbank bildet die Grundlage einer Geschichtenerzählmaschine, die entsprechend den Schlagworten Bilder mit Sprache neu kombiniert. Dadurch entstehen laufend neue Geschichten, die Bilder und Texte werden in einen neuen Kontext gestellt. Durch die Audioinstalation wird der Raum in Sprachzonen geteilt. Es gibt eine deutsche, eine slowenische und eine gemischte Zone in der eine Crosssynthese aus Deutsch und slowenischen O-Tontexten zu hören ist. Umrahmt wird die Installation von den Projektionen der Bilder.

 

8-Kanal Klanginstallation mit Videoprojektion

„Die Bank im Park“ & „Märchen Kindermund“, Lesung

Buchpräsentation und Lesung mit Anna Perst

Anna Perst, geboren 1945 in Zell am See/Salzburg lebt in Graz und schreibt seit Jahren verschiedenste Texte vom Roman über Märchen. Ihre Vielseitigkeit kommt ihr dabei zu Gute und die Gabe ihren Kindern und Enkelkindern auch immer wieder Geschichten erzählt zu haben.

2014 entschloss sie sich, nachdem sie immer wieder von Familie und Freunden gefragt wurde, wann es endlich ein Buch gäbe, ihre Geschichten zu veröffentlichen. Mit den Büchern „Märchen-Kindermund“ und „Die Bank im Park“ machte sie den Anfang, dem hoffentlich zur Freude ihrer Leser noch viele Werke folgen werden.

“Ralf” – Ein Stück über den Krieg, Schulvorstellung

Mezzanin Theater, von Martina Kolbinger-Reiner.

Mutter: Schreib Krieg! Überleg mal, wird Krieg hart oder weich gesprochen?

Ralf: Hart
Mutter: Ja, Krieg ist hart. Und
Krieg: lang oder kurz?
Ralf: Lang?
Mutter: Ja sicher, Krieg ist immer lang! Schreib jetzt 10 mal Krieg!
Ralf: Krieg, Krieg, Krieg, krieg ich jetzt das Computerspiel?

In der Produktion „Ralf“ wird der heutigen abstrakten und virtuellen Vermittlung von Krieg und Gewalt die wahre Geschichte des Kriegskindes Ralf Westphal (geb. 1933) gegenübergestellt. Die durch Interviews dokumentierte Geschichte des Zeitzeugen Ralf Westphal erzählt vom Kampf des Überlebens in Zeiten des Krieges. Sie erzählt von der nationalsozialistischen Erziehungsanstalt im Militärwaisenhaus Potsdam in Graz, vom Verlust der Familie, vom Wiedersehen mit den Großeltern, vom Hunger und Kartoffel stehlen, von Flucht und Tod und vom Ankommen im Frieden. Eine dramatische und berührende Geschichte über eine unvorstellbare Zeit.

„Bewegend, herzlich, schlicht ein Theatererlebnis“ Kronen Zeitung

Regie: Martina Kolbinger-Reiner Regieassitenz: Natascha Grasser Schauspiel: Hanni Westphal, Christine Scherzer, Matthias Ohner Lichtdesign: Tom Bergner Technik: Gerhard Michl Bühnenbild: Christina Weber Ausstattung: Corinna Schuster Musik: DJ Mazze

 

„Kinder-, Faschings- und Rätsel-Lieder“!

IKU-Musik-Treff mit Erich Jäger

Anschließend gemeinsames offenes Musizieren und Singen!

Musikbeiträge jeder Art, spontanes Mitspielen und Mitsingen erwünscht!

„GARJAONAY‘ Buchpräsentation und Lesung von Mag.ª Eva Nagele

Eva Maria Nagele, Mag. phil. wurde 1964 in Wels geboren. Sie studierte Geographie und Wirtschaftskunde sowie Anglistik und Amerikanistik an der Karl-Franzens-Universität Graz

Sie befasst sich seit Jahren mit Malerei, dabei insbesondere mit Aquarell- und Mischtechniken. Ihre Liebe zum Schreiben drückt sie in Prosa und Lyrik sowie in Reiseberichten aus. So entstand auch ihr erster Reiseroman über ihre Lieblingsinsel La Gomera.

Anmeldung ist erforderlich!

››… diese idiotischen Untergangsjahre‹‹

Wilhelm Thöny als Regimentsmaler im Ersten Weltkrieg

Wilhelm Thöny, einer der bedeutendsten österreichischen Maler der Zwischenkriegszeit, meldete sich ein Jahr nach Beginn des Ersten Weltkriegs freiwillig. Seine im Dienste des Grazer Dreier Schützen-Regiments entstandenen Arbeiten erzählen einmal voll Nüchternheit und Melancholie, ein andermal voll dramatischer Inszenierung von Kriegshelden, „Feinden Deutschlands“, Schlachten und der Gewöhnlichkeit des Soldatenlebens. Thönys Bilder vom Krieg sind Teil der repräsentativen Fassade, die es gegen die zweifelhafte Kriegslegitimität und die Niederlagen an der Front zu errichten und aufrechtzuerhalten galt.\n \n In dieser Ausstellung werden Thönys Bilder unter Einbeziehung militärhistorischer Kenntnisse ikonografisch entschlüsselt und mit dem Schrecken der „Stahlgewitter“ konfrontiert. Offenbar wird dabei die Diskrepanz zwischen Thönys affirmativen, der vaterländischen Propaganda und seinem persönlichen Überleben dienenden Werken, seinen persönlichen Kriegserschütterungen und pazifistischen Perspektiven auf jene Zeit, die er nach dem Weltkrieg als „diese idiotischen Untergangsjahre“ bezeichnen sollte.

Mi bis Mo 10:00 bis 17:00 Uhr